Die denkmalgeschützte Restaurierung des Raumes 311

 

Die Bürgerstiftung Altenburger Land stellte finanzielle Mittel für das Schloss Altenburg zur Verfügung. Diese Gelder wurden dazu verwendet, die Restaurierung des Raumes 311 im Schloss Altenburg fortzusetzen.

 

Was ist der Raum 311?

 

Der Raum 311 in der 3. Etage des barocken Residenzschlosskomplexes zählt zu den privaten Gemächern seiner fürstlichen Bewohner. Gemäß der Auswertung alter Inventare ist das Zimmer in der 1. Häl­fte des 18. Jahrhunderts als Schlafgemach genutzt worden. Seine spätere Nutzung geht nicht aus den Inventaren hervor; es ist anzunehmen, dass es sich um eine untergeordnete Räumlichkeit gehandelt hat.

 

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Corps de logis im Schloss Altenburg (Blick vom Innenhof) 

 

Im Gegensatz zu Vorgemächern und Audienzzimmern finden hier niemals Deckengemälde Erwähnung. Die Stukkaturen sind sehr verhalten und werden als Quadratur - ein System von Linien, Kreisen oder Ovalen - bezeichnet. Die Wandverkleidung dieses Raumes ist zu Beginn bis Mitte des 18. Jahrhunderts durch die Ver­wendung von schwarz-goldenem Leder recht kostbar gewesen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts befanden sich an den Wänden „Pequins" (entweder Imitation ostindischer gedruckter bzw. bemalter Glanzleinwand oder glattes, ggf. auch streifiges Seidengewebe). Als Fensterdekoration werden Vorhänge aus schlesischer Leinwand vermerkt. Ein Staatsbett, neun Stühle, ein großer viereckiger Spiegel in einem gebeizten Rahmen und ein schwarz gebeizter Tisch, ausgelegt mit Elfenbein, sind als mobile Ausstattungsstücke verzeichnet.

 

Die Fenster verfügen noch heute über die ursprüngliche Einfachverglasung und barocke achtteilige Gliederung.

 

In Vorbereitung der Restaurierungsmaßnahmen sowie einer künftigen Nutzung fanden im Raum 311 umfangreiche restauratorische Voruntersuchungen statt. Die daraus resultierenden Erkenntnisse ergänzen das sich aus Archivalien ergebende Wissen zu diesem Raum. Demzufolge finden sich teilweise unterschiedliche Farbfassungen an den Wänden.

 

Während der Restaurierungsarbeiten

 

Dieser Raum gehörte offensichtlich auch zur Raumabfolge eines älteren Westflügels, der mit diesem Zimmer endete. Mit der Bauphase 1724 ff. wurde ab hier das Residenzgebäude in nördliche Richtung verlängert - in nachfolgender Zimmerfolge entstanden eine Garderobe sowie ein Vorgemach und ein Audienzgemach. Bevor diese Räume jedoch entstanden sind, ist im Verlaufe der Bauphase die damalige Giebelwand eingestürzt, wobei die bereits neu errichteten Kellergewölbe in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Giebelwand befand sich an der Stelle der heutigen Nordwand dieses Raumes und verfügt als neu errichtete Zwischenwand über eine weniger ausgestaltete Farbfassung als die  anderen Wände. In diesem Falle bestätigen die bauhistorischen Unter­suchungen die archivalische Quellenauswertung.

Wie in allen anderen Räumlichkeiten des Altenburger Schlosses sind die Außenmauer und die gegenüber liegende Wand massives Steinmauerwerk. Die Wände zu den angrenzenden Wohnräumen hingegen sind Fachwerkwände.

     

Die Räume des Schlosses sind in den zurückliegenden Jahrhunderten vielfach überformt und dem jeweiligen Zeitgeschmack seiner Bewohner angepaßt worden. Dieser Tatbestand ist die Ursache einer Reihe von Farbbefunden, die sich dennoch prinzipiell an der ursprüng­lich barocken Farbigkeit zu orientieren scheinen. Ebenso werden illusionistisch aufgemalte Rahmungen und Kassettierungen offensichtlich über einen längeren Zeitraum in ihrer Farbigkeit und Gliederung akzeptiert. Über einem gemalten Paneel befand sich die Wandbespannung. Zahl­reiche Dübellöcher kennzeichnen die Fixierungspunkte der Wanddekoration, die gewöhnlicherweise die Fenster- und Türgewände, die Fensterpfeiler und den Bereich hinter dem Ofen aussparte. Über den Türen befanden sich gemalte Suppraporten. Ein derartiges innen­architektonisches Gestaltungsmittel ist an der Ostwand über der Tür erhalten geblieben.

 

Derzeitiger Zustand der Restaurierung 

 

Das Altenburger Schloss gehörte bis 1826 zum Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg. Die regierenden Fürsten hatten sehr unterschiedliches Interesse an ihrer Zweitresidenz. Die jeweiligen baulichen Aktivitäten können zurecht als Gradmesser für die Bedeutung und den Stellen­wert des Schlosses  angesehen werden. In den Bauakten sind zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur wenige Baumaßnahmen vermerkt, sie beziehen sich bestenfalls auf unumgängliche Reparaturen. Im Zuge der Völkerschlacht wurde das Schloss rasch in ein Lazarett umfunktioniert - es blieb keine Zeit, Ausstattungsstücke sicherzustellen und Tapeten abzuhängen.

 

Ab 1826 wurde Altenburg und das Um­land ein eigenständiges Herzogtum, Altenburg zur Hauptstadt und zum Regierungssitz sowie die Schlossanlage zum Wohn- und Reprä­sen­tations­ort der Altenburger Herzöge. Baumaßnahmen im Schlossbereich waren nun eine zwingende Notwendigkeit. In dem Zusammenhang erfuhren die Residenzräume je nach Lage und Bedeutung auch Veränderungen. Zunächst gestaltete man die dringend benötigten Zimmer der 2. Etage dem Zeitgeschmack entsprechend; die Räumlichkeiten der 3. Etage sind erst um die Jahrhundertmitte geringfügig verändert worden. Diese Veränderungen betreffen jedoch nicht die Raumaufteilung der Gemächer und ihre Größe. Diese wurde beibehalten.

Um 1850 gestaltete man hier im Raum im Deckenbereich die Mittelrosette bei gleichzeitigem Erhalt der barocken „Quadratur". In dieser Zeit haben vermutlich die Wände - möglicherweise aus ästhetischen Gründen - auch einen neuen Putzauftrag erhalten. Um die Haftung der neuen Putzschicht zu gewährleisten, wurden die Wände „angespitzt" (mit einem Hammer schlug man Löcher in den alten Putz). Aus Kammeraktenrechnungen ist zu erfahren, dass nach der Mitte des 19. Jahrhunderts von der Firma Du Menel & Comp., Leipzig, Papiertapeten geliefert werden. Diese Tapete, von der geringe Reste gefunden wurden, erhielt später einen leuchtend blauen Farbanstrich.

 

Mittelrosette im Deckenbereich des Raumes 311

 

Interessant und vielfältig erweist sich die Stratigraphie im Bereich der Türen. Es muss jedoch unterschieden werden zwischen Türrahmen und Türblatt. Auf dem Rahmen ist das gesamte Zeitspektrum vom 18. bis. 20. Jahrhundert zu erfassen; die Türflügel hingegen wurden offen­sichtlich um 1800 ausgewechselt. Demzufolge lassen sich hier nicht die gleiche Anzahl an Farbschichten feststellen wie auf den Rahmen.

 

Zur Situation des Fußbodens lassen sich für die Zeit vor 1826 keine gesicherten Aussagen treffen - möglicherweise diente die ursprüngliche Gestaltung als Maßstab für die jetzt im Raum befindliche Fußbodenausbildung. Gemäß eines Kostenanschlages von 1826 sollte der Tischlermeister Schneider aus Altenburg „einelliges Parkett von Eichenrahmen, ausgelegt mit fichtenen astreinen Tafeln" verlegen.

 

Es entspricht der langfristigen Museumskonzeption, diesen Raum nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten restaurieren zu lassen und ihn dann einer musealen Nutzung zuzuführen. Der Weg bis dahin ist lang und kostenintensiv. 

 

Die Restaurierungen in diesem Raum betreffen bis zum heutigen Tag:

 

  • -grundlegende Entfernung diverser Farbschichten im gesamten Deckenbereich
  • -Abnahme der Putzschicht des 19. Jahrhunderts
  • -Festigung der darunter liegenden barocken Putzschicht, die im Bereich der Fachwerkwände teilweise keine Haftung mehr hatte
  • -Reinigung und Fixierung der illusionistischen Paneelmalerei sowie der Kassettierung an der östlichen Tür- und den westlichen Fenstergewänden
  • -Realisierung elektrotechnischer Leistungen und von Sicherheitstechnik
  • -Schließung sämtlicher Putzfehlstellen (Löcher) im Paneelbereich und in einem Teil der Ofenrücklage
  • -großflächige Neuverputzung im Bereich des Fachwerkverbandes
  • -Freilegung der Türen und Fenster
  • -Ergänzung von Fehlstellen im Stuckbereich und farbige Fassung der Decke entsprechend der Befundsituation
  • -Schließung der noch offenen Fehlstellen im Putzbereich
  • -Ergänzung und Retusche der farbigen Paneelmalerei, der Farbfassung im Bereich der Fenster und des östlichen Türgewändes sowie der Suppraporte
  • -farbige Fassung der Türen und Fenster gemäß der Befundsituation

Ausstehende Arbeiten:


-textile Bespannung der Wandflächen über der illusionistischen Paneelmalerei
-Reinigung, ggf. Ergänzung und Wachsen des Parkettfußbodens
-Wiederherstellung der Fußbodenrandleisten
-Beschaffung einer Deckenleuchte


Die Gesamtkosten für die Restaurierung des Raumes 311 belaufen sich auf ca. 91.000,-- €. Bis zum heutigen Tag wurden Leistungen in einem Umfang von ca. 71.000,-- € realisiert. Zur Finanzierung der einzelnen Maßnahmen wurden Eigenmittel der Stadt Altenburg, Fördermittel des Freistaates Thüringen, Mittel der Bundesförderung aufgrund der Ausgabe der 10-DM-Gedenkmünze „50 Jahre Grundgesetz" für die Instandsetzung des Altenburger Schlosses sowie Spendengelder verwendet.
Bisher wurden für das Projekt Spendengelder in Höhe von 35.000,-- € zur Verfügung gestellt:


- 25.000,-- € Schlossverein
- 5.000,-- € Bürgerstiftung Altenburger Land
- 5.000,-- € LIONS-Club u. Rotary-Club

 

Die Fertigstellung des Raumes 311 ist für das Jahr 2009 vorgesehen.

Das Residenzschloss Altenburg bedankt sich bei dieser Gelegenheit für die bisherige und großzügige Unterstützung des Projekts mit Fördermitteln und Spendengeldern.

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